König Narmer |
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Der König Narmer wird als Nachfolger des Königs Skorpion II. oder des Königs Ka und Vorgänger des Königs der 1. Dynastie Aha (nach G. Dreyer, W. Kaiser und J. von Beckenrath) betrachtet. Beigesetzt wurde der König im Doppelgrab B 17/18 in der Frühzeitnekropole von Abydos. Sein Horusname wird mit Verweis auf Tiermächte als "Schlimmer Wels" übersetzt, was unsicher ist und z. b. durch W. Helck sowie anderen Ägyptologen in Frage gestellt wird. Als Belege der ersten Reichseinigung von Ober- und Unterägypten unter Narmer deuten zwei bedeutende Funde und zwar eine Schminkpalette und ein Keulenkopf einer Prunkkeule. Inzwischen wird davon ausgegangen, daß die beiden Länder schon etwa 200 Jahre unter dem König Skorpion I. vorher geeint waren und die dargestellten Begebenheiten vermutlich anders interpretiert sind. Der legendäre Sieg Narmers scheint wohl eher das erfolgreiche Ende einer Militäraktion im Delta gewesen zu sein. |
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Im Gegensatz zu den
früheren Darstellungen ändert sich jetzt der Stil. Man erkennt zum ersten
Mal eine strenge Struktur in den Darstellungen (z.B. auf der Narmer
Palette). Eine neue Form der Reliefdarstellung wird geschaffen, die für alle
folgenden Pharaonen maßgebend sein wird. Die Hauptfigur wird entsprechend
der Größe und Aussage des Geschehens immer größer dargestellt als die
Nebenfiguren. |
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Diese Schminkpalette war dem Gott Horus geweiht und wurde im Tempel von Hierakonpolis gefunden. Sie stammt aus der sogenannten 0-Dynastie um 3100 v. Chr. von König Narmer, dem Vorgänger Aha/ Menes, dem Begründer der 1. Dynastie. | |
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Der spätere immerwiederkehrende
Reliefstil mit den Motiven, König, Feind, Gott ist bereits zu erkennen. Auf
diesem Relief wird der Vollzug der Unterwerfung dargestellt und damit den
Herrschaftsanspruch des Königs, der die Feinde bezwingt und niederschlägt.
An der Haltung ist deutlich zu erkennen, daß keine aktive Aktion gegeben
ist. Der König, der die Krone von Unterägypten trägt, steht mit geraden Beinen auf dem Boden. Er ist nicht zum Feind vornüber gebeugt und schaut über den Feind, an dem Horusfalken vorbei. Stellt also keinen Blickkontakt her. Er hält den Feind, welcher in unterworfener Stellung vor ihm kniet, am Haarschopf und scheint ihn zu Boden zu drücken. Auch hier wird, wie im unteren Bildabschnitt, auf dem die besiegten und der Lage nach schon toten Feinde liegen, die Unterwerfung und der Sieg demonstriert. |
Ebenso sieht man an der
Haltung des Armes, der nur erhoben ist und nicht zum Schwung ausgeholt, und
an der Hand, die die Keule in der Mitte des Griffes hält, daß ein Zuschlagen
in dieser Haltung nicht möglich ist. Dieses Prinzip der Darstellungsweise wurde in der weiteren Entwicklung in der ägyptischen Kunst beibehalten. Vervollständigt wird die Szene durch den kleineren, hinter dem König stehenden Sandalenträger des Königs. Diese Darstellung wird überwiegend gedeutet als das historische Geschehen der Vereinigung der "Beiden Länder" von Unterägypten und Oberägypten. Weiter sind noch weitere Würdenträger und vier Standarten zu erkennen. |
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Auf der anderen
Seite dieser Palette ist der König Narmer
mit der weißen Krone des späteren
Oberägyptens zu sehen,
der triumphierend die Leichname von zehn enthaupteten Gefangenen inspiziert.
Diese Seite in in vier Register eingeteilt. Im oberen Register befinden sich auf beiden Seiten je ein Hörntier, in der Mitte davon ist sein Name zu lesen. Das zweite Register zeigt den König von vier Standartenträgern, einem hohen Beamten und hinter ihm von Standartenträger begleitet. Sie schreiten auf zehn enthauptete, menschliche Körper zu, deren Köpfe zwischen ihren Beinen liegen. Im dritten Register bändigen zwei Personen zwei Schlangenhalspanther vorderasiatischen Ursprungs. Sie schlingen die Hälse dieser Tiere umeinander, so daß eine kreisförmige Vertiefung in der Palette entsteht. Diese Vertiefung benutzte man dazu, um die Schminke anzurühren. Symbolisch sollen diese fabelhaften Tiere die endgültige Einheit zweier gleichen Wesen ausdrücken. Auf dem unteren Register ist ein Stier abgebildet, als Personifizierung Narmers, der in der Nähe einer befestigten Siedlung einen Mann zertritt. |
Der Ägyptologe Michael Höveler-Müller sieht in den Darstellungen der Palette nicht nur eine Dokumentation einer historischen Schlacht, sondern gleichzeitig die älteste geographische Karte Ägyptens. Die Form deutet er als die ungefähren Umrisse des ägyptischen Deltas. Es könnte damit zu Ausdruck gebracht werden, daß hiermit die finale Schlacht um dieses Gebiet abgebildet ist und nun vollständig unter der Oberhoheit von Naqada steht. Seiner Ansicht nach sollte die Narmer Palette nicht nur den letztendlichen Sieg der Naqada-Kultur darstellen, sondern dies auch noch örtlich belegen. Ob es sich nur um seine persönliche Sichtweise handelt, oder ob dieses von anderen Ägyptologen ebenso gedeutet wird, ist mir unbekannt. |
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Keulenkopf einer Prunkkeule |
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Die
Darstellungen auf dem
Narmer-Keulenkopf werden verschieden interpretiert. So könnte die
Darstellung bedeuten, daß es sich um die Hochzeit von Narmer mit der
Prinzessin von Unterägypten, Nihotep handelt, es ist aber auch möglich, daß
die Feierlichkeiten anläßlich des Sieges von Narmer über Unterägypten
dargestellt sind. Im Zentrum auf dem Keulenkopf befindet sich Narmer sitzend unter einem Baldachin. Er trägt die Rote Krone Unterägyptens, eine lange Robe und hat einen Wedel in der Hand. Der überdachte Baldachin, unter dem er sitzt könnte als Schrein oder Tempel interpretiert werden. Unter ihm befinden sich zwei Fächerträger. Drei Männer rennen auf Narmer zu. Es handelt sich offenbar um Muu-Tänzer, die aus der Region von Buto kommen und wahrscheinlich den neuen König begrüßen. Über ihnen stehen vier Männer mit Standarten. Direkt gegenüber von Narmer sitzt eine bartlose in einen langen Mantel gehüllte Person. Hier könnte es sich um die Prinzessin Nihotep, oder was wahrscheinlicher ist, um den König von Buto handeln. Über diese Darstellung befindet sich in einer Umrandung, eine Kuh und ein Kalb. Dies wird als Namens-Zeichen gedeutet. Auf der unteren Darstellung
handelt es sich um eine Liste mit Aufzählung von 400.000 Rinder, 1.422.000
Kleintiere und 120.000 Männer. Daraus schließt man, daß zu dieser Zeit etwa
600.000 Leute im Delta lebten. Es ist davon auszugehen, daß es sich bei
dieser Szene auf dem Keulenkopf um eine Darstellung zum Gedenken an
die Eroberung Unterägyptens durch Narmer handelt, wobei eine Art der
Volkszählung durchgeführt wurde. |
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Narmer ließ sich ein bescheidenes
Doppelkammergrab in Abydos auf dem Friedhof von Umm el-Qaab errichten. Es zeigt in seinem Aufbau noch
den typischen prähistorischen Stil. Jedoch ist hier eine Neuerung zu beobachten. Narmer ließ die beiden Raumeinheiten des Doppelkammergrabes nicht mehr trennen, sondern jetzt berührten sie sich. Dies deutet Höveler-Müller als Vereinigung der beiden Reiche. |
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