Thutmosis IV.

 In der 18. Dynastie trugen 4 Könige den Geburtsnamen Thutmosis (Königstitulatur). Der Name bedeutetet "Thot, der Gott der Weisheit und des Wissens, ist geboren".  Aus diesem Grunde wird der Gott Thot auch meist mit Schreibzeug, Binse und Palette dargestellt. Er erscheint mal mit Ibiskopf, selten auch als Pavian. Am meisten ist er zu sehen beim Totengericht, wo er das Ergebnis bei der Herz-Wägung aufschreibt.

Aus der berühmten, sogenannten Traumstele, welche zwischen den Pranken des Sphinx entdeckt wurde,  schließt man, daß Thutmosis IV., als Sohn von Amenophis II., zunächst nicht als Thronfolger vorgesehen war. Auf dieser Stele liest man von seinem  Traum, den er hatte, als er dort im Sand ruhte. In diesem Traum sei ihm eine Gottheit erschienen, die ihm den Thron versprach, wenn er dieses riesige Monument, den Sphinx, vom Sand befreie, welcher schon in damaliger Zeit vom Sand fast bedeckt gewesen sei.

Während seiner Regierungszeit als Pharao engagierte sich Thutmosis IV. kaum in militärischen Aktionen. Auf der Konosso-Stele, die ins Jahr 7 oder 8 seiner Herrschaft datiert ist, liest man zwar von einem Feldzug nach Nubien, tatsächlich soll es aber um einen Feldzug  gegen Eindringlinge aus dem Süden gehandelt haben, um die ägyptischen Goldminen zu schützen. Durch die Heirat mit der mitannischen Prinzessin – Mitanni – besiegelte er einen Friedensvertrag und schloß einen formellen Frieden.
Auch seine Bautätigkeiten beschränkten sich in erster Linie auf Erweiterung vorhandener Bauten.

Thutmosis IV., dessen Grab Howard Carter am 18. Januar 1903 entdeckte, regierte von 1400 bis 1390 v. Chr..

Außer den königlichen Grabbeilagen barg Carter verschiedene Fragmente von drei Nebenbestattungen, vermutlich Kinder von Thutmosis, welche schon vor ihm verstorben waren. Es wird vermutet, daß es  Fragmente von seinem Sohn Amen-Em-Het, seiner Königstochter Tentamun sowie die Mumie einer Person sind, deren Name nicht bekannt ist.

Die Mumie von Thutmosis fand man in einer Nebenkammer im Grab Amen Hotep II., diese Mumie befand sich dort in einem schmucklosen  grob hergestellten Ersatzsarg aus späterer Zeit.

Trotz ausreichend langer Regierungszeit waren seine Grabanlagen nicht fertig gestellt. Die Gründe für die Verzögerung sind nicht bekannt, jedoch werden solche Verzögerungen oft beobachtet, sind also keine Seltenheit. Wände und Pfeiler waren schon vollständig geglättet, allerdings blieben sie undekoriert.
Über eine sorgfältig behauende Eingangstreppe gelangt man durch drei darauffolgende Gänge zum sogenannten Schachtraum, welcher an der Basis der gegenüberliegenden Wand einen Eingang zu einer Kammer besitzt. Hier macht die Achse des Grabes einen Knick von 90 ° und man befindet sich in der ersten Säulenhalle. Es geht weiter über 2 Treppen hinunter durch eine Vorkammer in die eigentliche Grabkammer.
Nur der Schachtraum und der Vorraum zur Sargkammer wurden vor der Beisetzung mit Malereien versehen.
  Die Decken dieser beiden Räume sind mit gelben Sternen auf dunkelblauem Grund bemalt.

Erstmals  auf einem kräftigen goldgelben Hintergrund werden Götterszenen und Figuren wiedergegeben. Zu sehen ist auch wie Thutmosis IV. von den Totengöttern Osiris, Anubis und Hathor, welche ihm als Geschenk das Zeichen des Lebens, das Anch-Zeichen, vor das Gesicht  halten.

Bis auf kleine Unterschiede in der Kleidung der Gottheiten sind die Darstellungen der Personen  identisch, auch die Inschriften ähneln sich sehr. Sie enthalten nur die Namen dieser Gottheiten und den Thron- und Geburtsnamen des Königs.

Diesen herrlichen Quarzitsarkophag fand man bei der Entdeckung des Grabes. Er hat eine Länge von 3 Metern und eine Breite von 1,60 Meter und steht noch an seinem ursprünglichen Platz. Das Material für den Sarkophag stammt aus den Steinbrüchen bei Heliopolis, der alten Stadt des Sonnenkultes und beruht auf einer in der frühen 18. Dynastie engen Verbindung zum Sonnenkult.

Die Dekoration konnte man wegen der Größe des Sarges großzügig gestalten. Am Kopf und Fußende stehen die beiden Schutzgöttinnen Isis und Nephthys mit ausgebreiteten  Armen. An den Längsseiten sind jeweils vier weitere Gottheiten abgebildet, Amset, Hapi, Kepehsenuef und Duamutef.
Dies sind die vier Horuskinder, welche für die Versorgung des Toten mit Speise und Trank zuständig sind und nun für ein bestimmtes Organ "verantwortlich" gemacht werden. Amset für die Leber – Hapi für die Milz - Duamutef  für die Lunge - Kebekhsenuef für das Gedärm.

Besonders lebhaft wirken die Gelb ausgemalten Hieroglyphen im Kontrast mit der Grundfarbe des Sarkophages.

 

An den Wänden ist auch eine hieratische Inschrift zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Inschrift die Maja und sein Gehilfe nach Wiederherstellung des Begräbnisses nach Plünderung anbrachten.
Maja war Schatzmeister schon unter Tutanchamun (hat auch dessen Begräbnis organisatorisch und ein Ushebti gestiftet) und offensichtlich noch unter Haremhab tätig.
Bei dieser Gelegenheit wurde die Tür zur Sargkammer neu verschlossen und mit einem Siegel versehen (der Durchgang vom dekorierten Vorraum zur Sargkammer).

Die Inschriften übersetzt lauten :
"Jahr 8, 3.Monat der Jahreszeit achet, Tag 1, unter der Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten, Djoser-chepru-ra Setep-en-ra, Sohn des Ra Hor-em-hab Meriamun.
Seine Majestät Leben! Reichtum! Gesundheit! befahl, den Fächerträger zu des Königs rechter Hand, des Königs Schreiber, Aufseher über die Schätze, Aufseher der Arbeiten
auf dem Platz der Ewigkeit [Das Tal der Könige] und Leiter der Festlichkeiten Amuns in Karnak, Maja, Sohn des Edlen Iawy, geboren von der Dame aus dem Hause Weret, mit der Erneuerung der Bestattung des Königs Men-cheperu-ra, des Wahren der Stimme, im hehren Gefilde auf dem Westen von Theben zu beauftragen."

Die kleinere Inschrift lautet:

"Sein Gehilfe, der Verwalter der Südstadt, Djehutimose, dessen Mutter Iniuhe aus der
Stadt [Theben] ist."

(Reeves / Wilkinson : "Das Tal der Könige", S.: 108)

Erklärungen zu den Inschriften hat mir Lutz Frank zukommen lassen.

 


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