Edfu liegt etwa 100 km südlich von Luxor. Die von den Griechen Apollonopoli  Magna genannte Stadt war zur Zeit der Pharaonen Hauptstadt des zweiten oberägyptischen Gaus. 
Die Stadt lag an einer  strategisch günstigen Lage . Sie wurde  im Alten Reich auch als "Wächterin des Tores von Elephantine" bezeichnet und war Ausgangspunkt einer Route zwischen arabischer Wüste und Rotem Meer, wonach (fast) zwangsweise viele Reisende daran vorbeikamen. 

Der besterhaltene Tempel Ägyptens steht in Edfu und war Horus geweiht.  

Die Bauarbeiten an diesem großartigen Heiligtum aus Sandstein begannen 237 v, Chr. unter Ptolemäus III. Euergetes I. und waren 57 v. Chr. abgeschlossen. 

Den Zugang zu dem Tempelkomplex bildet der  36 m hohe und 64 m breite Pylon von Ptolemäus XII. Neos Dioysos.   Als Hauptszene zeigen die Reliefs auf beiden Tortürmen  den König im Angesicht der hier verehrten Götter beim Niederschlagen der Feinde. An den Pylonen selbst    befinden sich Schlitze für die sogenannte Flaggenmasten, die Isis und Nephthys symbolisieren sollten.
 

Der rechteckige Vorhof wird von 32 Säulen umsäumt mit kunstvollen Palmwedel  und Pflanzenkompositkapitellen und reliefierten Schäften und wurde 116-71 v. Chr. erbaut.


Den Eingang flankieren 2 Horusfalken.

 

 

Der Horus - Tempel ist - wie viele anderen auch - über und über mit Inschriften versehen. Diese Gründungsinschriften  auf den ausgezeichnet erhaltenen Außenwänden geben Auskunft über Baugeschichte und Beschreibung des Tempels,  unmittelbar  nachdem er gebaut wurde.

 

 

Die "Herren" des Tempels von Edfu sind Horus von Edfu, seine Gemahlin Hathor von Dendera  sowie deren beider Sohn Harsomtus (Hersemtaui). 

 

Horus ist der Sohn des Totengottes Osiris und deren Schwester Isis. Er ist der Gatte der Hathor von Dendera und Vater des Harsomtus. Gelegentlich tritt er in der Erscheinungsform des Falken auf und wird auch mit diesem gleichgesetzt wurde.

 

Der Name Horus bedeutet "Der oben befindliche" oder "Der Ferne". Horus wurde als Vater des jeweils regierenden Herrschers angesehen, symbolisiert durch die Horusnamen des Königs, die er bei der Thronbesteigung bekam.

Hathor, die kuh- oder menschengestaltige Göttin mit der gehörnten Sonnenscheibe auf dem Kopf war seit der frühesten Zeit mit dem Himmels- und Königsgott Horus verbunden, worauf auch ihr Name "Haus des Horus" verweist.

Sie ist die Muttergöttin, Mutter bzw. Gemahlin des Horus und gleichzeitig Mutter des jungen Königs, der von ihr gesäugt wird. Ihr solarer Aspekt wurde durch die Sonnenscheibe verdeutlicht, die zwischen ihren Kuhhörnern erscheint. Ihr Hauptkultort ist Dendera in Oberägypten.

 

Einmal im Jahr machte sich die Göttin (deren Statue dabei von den Priestern getragen wurde) auf zu ihrem Gatten Horus, in das etwa 160 km Nil aufwärts gelegene Edfu, um dort mit ihm die Wiedervereinigung (mythische Hochzeit) zu feiern, die exakt auf die achte Stunde des Neumondtages des elften Monats fällt.


Auf den Mauern des äußeren Umgangs sind Szenen zur Horuslegende angebracht, die wahrscheinlich jedes Jahr als eine Art Mystienspiel aufgeführt wurde.

Der Tempel zeigt das klassische ptolemäische Bauschema: Pylon, Hof, Vorhalle (außen links vom Eingang der berühmte schwarze Granitfalke), Säulenhalle, zwei kleine Vorsäle, Allerheiligstes, darin der Granitsschrein aus vorptolemäischer Zeit.

 

Ich habe gelesen, dadurch daß das Dach erhalten ist, kann man sehr gut das Abdunkeln des Lichtes beobachten, von der Sonnenhelle des Hofes bis zum mystischen Dämmer im Allerheiligsten. Die Lichtregie hat in den Altägyptischen Tempeln eine große Rolle gespielt.

 

Der Hof, der sich unmittelbar an die Pylontürme anschließt stellt die Verbindung von Erde und Himmel dar. Die Säulen, welche den Hof umgeben symbolisieren die zum Sonnenlicht strebende Vegetation.
Das Fußbodenniveau vom offenen Hof bis hinein in das Allerheiligste steigt stetig an, während die Höhe des Raumes in umgekehrten Weg in gleichem Verhältnis abnimmt.

Diese "Zusammenführung" symbolisiert die aufsteigende Erdlinie und die absteigende Himmelslinie, die sich schließlich in der Götterstatue vereinigen, d.h. an einem Ort an dem Dies- und Jenseits zusammentreffen. 

 

Nachdem wir diesen wirklich beindruckenden gut erhaltenen Tempel gesehen  und auch wieder gespannt den Erzählungen und Erklärungen unseres Reiseführers gelauscht haben, sind wir noch ein wenig durch diesen historischen Ort gebummelt und haben ihn auf uns wirken lassen. Dann ging es wieder zum Schiff, wo wir uns es gemütlich machten. Am nächsten Tag sollten wir Kom Ombo kennen lernen, auch eine erholsame Segeltour mit den Nilfeluken ist geplant. Doch davon auf den nächsten Seiten....

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